Ballonfahrt über der Sächsischen Schweiz – 06. Mai 2016
Am Tag nach Himmelfahrt konnten wir unsere Ballonfahrt einlösen: Treffpunkt war 5:30 Uhr am Parkplatz Hockstein (bei Hohnstein), wo uns das Sachsen-Ballonteam mit Bussen abholte und auf die Uferwiese der Elbe bei Bad Schandau brachte. Wir hatten da bereits 2½ h Anfahrt hinter uns und es war inzwischen schon hell geworden.

Hier im Elbtal lag noch der Morgennebel und die Wiesen waren sehr feucht. Aus den Anhängern wurden zwei Ballonkörbe ausgeladen, einen für den gelben „Warsteiner“ und unser, der mit 16 (4×4) Personen, dem Piloten und dessen Sohn besetzt wurde.

Doch zuvor wurde die Ballonhülle ausgelegt und die Tragseile mit dem Korb verbunden; hier wurden uns die Größenverhältnisse deutlich: wie bei einer kleinen Trinkflasche: auf den Kopf gestellt stellt der Verschluss den Korb dar, die Flasche entspricht dem Ballon. Mittels kräftiger Lüfter wurde Luft in die Hülle geblasen, bis diese sich zu einer großen Hülle formte und aufrichtete.

Erst dann wird mittels der am Korbdach angebrachte Propangasbrenner kurze Heißluftstöße in die Hülle geblasen, die diese dann aufrichten. Den Korb bringen die Passagiere aus der Seitenlage in den Stand – Zeit zum Einsteigen und zum Austausch der ersten, inzwischen leeren Propangasflasche.

Auch der zweite Ballon war inzwischen startklar und so hoben beide Körbe unmerklich ab und schwebten in die Höhe.

Man selber merkt es nicht, lediglich der Boden verschwindet nach unten und die Aussicht nähert sich der Vogelperspektive und die Sicht wird weiter. Die Elbe wird zu einem blauen Band, das sich im Licht der Morgensonne durch eine grüne Landschaft zieht, vorbei an Häusern, Straßen und den Gleisen der Eisenbahn.

Es ist ein schönes Schauspiel: wir schweben über den Häusern, unter uns der Ballon „Warstein“ und ein leichter Wind, den wir nicht spüren, trägt uns Richtung Königstein.

Im gelben Ballon wird heiße Luft erzeugt, schon bald schwebt er über unseren Köpfen nach Norden, bevor beide Ballone mit dem Wind Richtung Hohnstein / Stürza treiben.

Wir sehen unter uns Königstein mit seiner Kirche und der Festung, die Bastei und das Polenztal. Über blühende Rapsfelder und grüne Wiesen treibt uns der Wind über kleine Dörfer mit blühenden Bäumen; grasende Rehe erschrecken vor dem lautlosen Schatten und fliehen beim Betätigen der Brennerdüsen, deren Krach weithin zu hören ist und deren Hitze uns und die Luft aufheizt.

Als Hohnstein rechter Hand in Sicht kommt, wird auch nach einem Landeplatz Ausschau gehalten. Viele Wiesen sind von Baumreihen umgeben und da benötigt man schon viel Erfahrung, um entsprechend der Windgeschwindigkeit und Bodengegebenheiten den richtigen Platz zu finden.

Unser Pilot scherzt, dass die Ballonfahrer ihre Körbe durch Streifen von Baumwipfeln von unten reinigen, jedoch verzichtet er darauf und geht dicht über den Wipfeln hinweg und setzt den Ballonkorb stehend auf der Wiese auf, der Ballon zieht den Korb ein wenig über die Erde weiter, bis er schaukelnd zum Stillstand kommt. Applaus für die tolle Landung, Anweisungen an das Team mit den Bussen und Anhängern und die ersten Passagiere steigen aus dem Korb. Doch noch ist der Ballon nicht am Boden, der Wind drückt dagegen und ganz langsam kippt der Korb zur Seite (auf die dafür vorgesehene Seite), ein beherzter Mann greift Michaela unter die Arme, die vom Abkippen überrascht, beim Herausklettern in Bedrängnis gerät. Die Verbliebenen kippen im Zeitlupentempo zur Seite und entsteigen dann alle wohlbehalten und auf einfache Weise dem Korb, während die Ballonhülle sich sehrlangsam auf den Boden legt und erst durch massiven Einsatz allen Körpergewichts entweicht die Restluft.

Die Hülle wird vom Korbende anfangend zusammengerafft und danach in einen großen Kasten gelegt, der auf einer motorbetriebenen Raupe langsam vom Ballonende zum Korb gefahren wird. Schnell noch die Drahtseile ausgehängt und schon ist die Hülle fertig verpackt und bereit zum nächsten Ballonstart.

Ein Anhänger wird direkt neben den Korb gestellt, ein Zugseil unten eingehängt und der Korb wird wieder zurückgekippt und steht jetzt direkt hinter dem Hänger. Das Zugseil zieht den Korb in den Hänger, die Brennerdüsen streifen die Abdeckplane, als der Korb aus der Schräglage auf den Hänger rutscht.

Währenddessen wird ein kleiner Teppich ausgelegt (Gebetsteppich, gen Osten ausgerichtet…) auf dem die Taufe zum Ballonfahrer erfolgen wird, denn nach altem Brauch sind Ballonfahrer zu adeln, damit sich das „gemeyne Folk nicht über den Adel erhebet“: so wird Michaela zur „Herzogin Manuela zu Berlin spaßige Ballonprinzessin über den blühenden Rapsfelder“ und ich zum „Herzog Jürgen zu Berlin schwebender Ballonkapitän über dem Elbtal zu Schmilka“. Die Taufe erfolgt durch Abbrennen von Kopfhaar, gelöscht mit Sekt. Hört sich schlimmer an, als es tatsächlich war.

Anschließend erfolgt gemeinsames Prost und die Rückfahrt zum Treffpunkt mit den Fahrzeugen. Es war für uns Beide ein fantastisches Erlebnis und auch für den Piloten eine der schönsten Fahrten in der schönsten Landschaft Sachsens – er kann das beurteilen. Für uns endet das Abenteuer, als wir unser Auto wieder besteigen – bereit die schönste Landschaft Sachsens nun mit dem Auto zu erkunden.